Sar Joséphin Péladan:

Das unbekannte Schicksal

Roman / 260 Seiten / Pb / € 19,80

Print-ISBN: 978-3-937592-41-1

E-Book: 978-3-937592-42-8




Das Rückcover:


Titelseite
Titelseite
Seite 9
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Seite 35
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Seite 135
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Seite 239
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Überirdische Liebe belebt auch diesen Péladan-Roman. Ein junger angehender Jurist begegnet durch Zufall oder eine mystische Verkettung dem tragischen Schicksal einer besonderen Frau. Durch ihr Treueversprechen fühlt sie sich, obwohl bereits geschieden, an ihren verbrecherischen Mann innerlich für immer bedingungslos gebunden. Eine Loslösung könne nur der Tod selbst bewirken. Nun nimmt das Schicksal seinen verhängnisvollen Lauf. Muss der junge Mann zum Mörder werden, um diese Frau zu befreien?

Dem skeptischen Realismus der Zeit stellt Péladan seinen Symbolismus entgegen. Meisterhaft entwickelt er den seelischen Leidensgang eines Menschen mithilfe einer Sprache, die rhythmisch und kraftvoll ist und gleichzeitig voll von visionärer Schönheit. Das lässt den Leser an den geheimsten Regungen der menschlichen Seele intensiv teilhaben. Schauplatz der Handlung ist die Bretagne. Jene Landschaft, der Péladan persönlich nahestand: angeblich war er selbst ein Abkömmling bretonischer Könige.

 

„… ich entdecke die Allegorie Ihres Schicksals in der Geschichte vom Rundschild. Ein Bauer musste einen Feigenbaum umhauen; er sägte ihn entzwei; bei einem schönen Brett, das beinahe rund war, hatte er den Einfall, eine bedeutsame Figur darauf anbringen und einen Schild daraus machen zu lassen. Er brachte also dieses Holz seinem Notarius. Der Bauer wollte ohne Zweifel eine spaßhafte Figur haben, aber der Sohn des Notarius, der kein anderer war als Leonardo da Vinci, damals ein junger Mensch, kam auf den Gedanken, den Schild furchtbar zu machen. Er bildete Fledermäuse, Schlangen, Eidechsen, Skorpione, Kröten: alles, was er an Widerwärtigem und Schrecklichem zusammenbringen konnte; so band er einen Strauß des Schreckens, schuf eine Füllung voll Widrigkeit, und zwar von solcher Stärke, dass der Notarius, als er ins Atelier trat, bei diesem Anblick Furcht empfand und fliehen wollte. Der Schild stellt unser Leben dar. Wir wissen am Morgen nie, welche düstere Phantasie uns das Schicksal bis zum Abend darauf malen wird.“  (Peladan: Das unbekannte Schicksal, S. 44)

 

 Durch Leben und Menschen suchen wir nur uns selber und, wenn wir uns gefunden haben, nennen wir diese Begegnung das Glück; aber wir lassen uns von glänzenden Vorwänden anführen und unsere Handlungen nennen sich mit großartigen Namen, während sie nur einen einzigen Grund hatten: die Expansion.“  (Das unbekannte Schicksal)

 

„Man muss glauben, dass sich das Gute schließlich durchsetzt", bemerkte Tessonnes. „Da das Weltall dauert, wird die Ordnung aufrechterhalten, und das versteht sich von der seelischen Ordnung auch …“  (Peladan, Das unbekannte Schicksal, S. 48)

 

„Frau Margarethe war für Torigny die lebendigste Anregerin gewesen, sie hatte die erste Erweiterung seiner Persönlichkeit bewirkt. Ein kleiner Jurist, hatte er die Sporen angeschnallt und die Fahne des Helden erhoben. Er hatte sich groß, fast erhaben gefunden: niemand widersteht diesem Rausch. Wir lieben nur uns, aber wer kann sich sehen ohne einen Spiegel, der sein Bild zurückwirft? Die Leidenschaft bietet uns den lebhaftesten und farbigsten Reflex; daher ihre Macht.“ (Peladan: Das unbekannte Schicksal, S. 249)

 

Der Autor:

Joséphin Péladan (1858–1918), oder wie er sich selbst nannte: Sâr Péladan, gehört mit seinen Romanen auf eine Stufe mit Joris-Karl Huysmans oder Gustav Meyrink. Dem Grenzüberschreiter geht es um die „Innenräume der Seele“ (Hermann Bahr), die er dichterisch erkundet und womit er zu einem Zeitzeugen besonderer Güte wird. Sein Gesamtwerk beinhaltet etwa 65 Publikationen, wobei neben den Romanen und Dramen auch zahlreiche philosophische Werke, solche der Kunstgeschichte und wissenschaftliche Schriften Bedeutung erlangten. Péladans Romane gedeihen in der Atmosphäre eines Symbolismus, in der Theosophie, Magie, Okkultismus und geheime Rituale eine zentrale Rolle spielen. Sie stellen psychologische Kleinodien dar, die geprägt sind vom Glauben an ein Menschsein, das veredelt werden kann. Alle seine Romane treten aus der Sphäre der Konfrontation aus und sind dennoch rational und analytisch. Schuld und Unschuld gepaart mit Freiheit und Notwendigkeit werden dabei nicht zum Verhängnis, sondern zu einem Moment von Befreiung.

 

Der Inhalt:

Prolog

I Abend am Strande

II Das Geheimnis des Täschchens

Erstes Buch

I     Worte von Auguren
II    Weise Zärtlichkeit
III   Seelenkonzert
IV   Gefühlvoller Morgen
V    Gespräche
VI   Über die Vergangenheit
VII  Über die Liebe
VIII   Vertrauliche Mitteilungen

Zweites Buch

I   Geschichte eines Verbrechens
II   Das Gewissen
III  Der Tag nach dem Alp
IV  Hochherzigkeit
V   Der Leichnam
VI  Nähere Umstände
VII    Weiblichkeit
VIII   Lösung
IX  Das Wesen der Ergänzung

Drittes Buch

 I    Zu Hause
II    Zu der Unbekannten
III   Ausgleich
IV    Beruf
V   Der Erfolg
VI  Harmonien
VII Folgen
VIII Zwei Generationen

 Epilog

 I Morgen am Strande